Dali - der "schwarzer Teufel" fasst Vertrauen

Liebe Kristin,

Ich wollte mich noch ein mal herzlichst bei dir für deine Hilfe mit meinem englischen Vollblutpferd Dali bedanken. Dali war allgemein fast schon als "schwarzer Teufel" ("2 Seelen wohnen in meiner Brust"...) bekannt, weil sowohl Reiter als auch Tierärzte und Hufschmiede sich die Zähne an ihm ausgebissen haben. Dali ist immer sehr nervös gewesen, hat in der Box mit dem Kopf geschlagen, ging bei der Wurmkur hoch, beim Ausreiten war er mit seinem ganzen Körper so unter Spannung, dass er auf der Stelle galoppierte und ich das Gefühl hatte auf einer jederzeit hochgehenden Granate zu sitzen. Dali nach dem Reiten auf die Wiese zu setzen war richtig gefährlich, er wollte sofort losrennen und konnte auch mal vor lauter Anspannung ausschlagen. Ihn einfangen war eine zeitlang unmöglich, weil er von weitem mit seinem misstrauischen Blick alles beobachtete und dann in vollem Galopp über die Wiese donnerte. Da half nur noch viel Zeit und ein Wickelseil mit dem man ihn dann manchmal überlisten konnte. Welch eine Zeitverschwendung und welch ein Frust! Beim Reiten erschrak sich Dali ganz unerwartet so dermaßen dass er blitzschnell umdrehte und weggaloppierte. Der Galopp anfangs in der Halle und vor allem draußen war so schnell und hysterisch dass ich kreidebleich im Gesicht wurde. Alleine mit Dali auszureiten wäre sowieso zu gefährlich aber Dali würde umdrehen und zum Stall rennen. 

Jede Unsicherheit, jedes noch so kleine Zögern verwandelt das sowieso schon permanent angespannte Pferd sofort in ein zappliges Nervenbündel. Fliegenspray auftragen, eine Wunde behandeln, etc. waren immer Herausforderungen, die Zeit und Geduld in Anspruch nahmen. Im Umgang mit Dali war einfach alles immer unglaublich kompliziert. Deshalb hatte ich auch schon an Verkauf gedacht aber das zusätzliche Kissing Spines Problem macht dies fast unmöglich.     

Mit Futter konnte man Dali noch nie "bestechen", es interessierte ihn einfach nicht wirklich. Bei Aufregung verweigerte er Futter sogar noch eine ganze Weile nach dem Stressmoment.


Nach dem Kissing Spines Problem kam Dali dann mit 13 J. auf eine Weide für ältere Pferde. Dort sollte er seine Pension verbringen und nicht mehr geritten werden. Ich glaubte dass Dali jetzt ausgeglichener und ruhiger werden würde und dass ich endlich eine gute Beziehung zu ihm aufbauen könnte. Aber dem war nicht so ... Dali wurde der Herdenchef, ließ sich zwar mittlerweile einfangen aber hatte seinen Blick immer auf die Herde gerichtet. Zum Putzen, Impfen oder Hufschneiden musste ich die andern Pferde mit Futter mit zum Putzplatz locken um Dali ruhig zu halten. Sobald die andern Pferde sich von Dali entfernten wurde er zur "Furie". Dali spannte jeden Muskel an, wieherte, kuckte nur noch auf seine weglaufende Herde und sprang auf der Stelle, ging hoch und schlug mit den Vorderfüssen und versuchte sich loszureißen. Der Mensch, der im Weg stand musste seine Füße und sich selbst in Sicherheit bringen. Streng sein, strafen oder schreien verschlimmerten alles nur noch. Hufschmiede, Tierärzte und  mich selbst brachte Dali zur glatten Verzweifelung. An Longieren oder Reiten war jetzt gar nicht mehr zu denken.

Als ich es fast ganz mit Dali aufgegeben hatte, hat mir eine Freundin die Kristin als Hilfemöglichkeit angegeben. Na ja, versuchen kann ich es ja mal, aber nachdem mir schon so viele "Ratschläge" mit dem Pferd nicht weitergeholfen hatten, konnte ich so recht auch nicht mehr an eine langfristige Lösung glauben. Dali und ich das schien einfach nicht zu harmonieren. Da die Monty-Roberts Methode aber ein Begriff ist, dachte ich mir schaden kann es auf keinen Fall. Nach so viel Enttäuschung, Frust und Stress viel es mir schwer noch mal einen neuen Anlauf mit Dali zu nehmen.

Im Juni 2006 kam Kristin zum ersten Mal zu Dali in den Marscherwald und erklärte und zeigte mir die Pferdesprache. Wir gingen bei ziemlich schlechtem Wetter das erste Mal schon so weit von der Weide weg wie ich mich es mit Dali niemals getraut hätte. Dali war aufgeregt, aber reagierte sehr gut und sensibel auf Kristin. Anschließend übte ich mit Dali regelmäßige Spaziergänge am Strick immer weiter weg von der Weide. Dali wurde von Mal zu Mal ruhiger und entspannter und ging willig mit mir spazieren. Er erschrak sich anfangs noch etwas, aber dann immer weniger und wenn dann nur ganz kurz und kam sofort wieder zur Ruhe. Ich lernte mit der Monty Roberts Methode eine ganz andere Kommunikation mit meinem Pferd und wir wurden alle beide dadurch ruhiger. Anfangs hatten mich die Übungen eine gewisse Überwindung gekostet doch mit der Zeit blieb mein Puls niedriger und Dalis Puls ebenfalls. Ich konnte den Teufelskreis von gegenseitiger Anspannung und Stress in eine positive gegenseitige Dynamik umwandeln die von Entspannung und Vertrauen geprägt wurde.


Im August 2006 kam Kristin zum zweiten Mal zu Dali. Dali bekam seine Wurmkur ohne Nasenbremse und ohne Stress nur mit etwas Geduld und Pferdesprache. Ich stieg wieder nach einem Jahr Reit-Pause auf Dali und ritt im Schritt von der Weide weg. Reiten gar kein Problem, viel einfacher, keine übermäßige Spannung mehr im Pferd, erschrecken passe, Galopp ruhig etc.
 
Jetzt im September 2007 kann ich Dali alleine oder mit anderen Pferden ausreiten, ihn pflegen, die Wurmkur geben, spazieren gehen, etc. ohne Stress und ohne Probleme. Meine Erwartungen an das Pferd wurden alle bei weitem übertroffen. Ich habe dank der Pferdesprache jetzt ein ruhiges sicheres Pferd, das mir vertraut und dem ich auch vertrauen kann. Die Beziehung zu Dali ist gerettet und ich kann wieder viel Spaß an meinem Pferd haben, sowohl allgemein im Umgang wie auch beim Reiten und Longieren. Dali ist viel unkomplizierter und leichter geworden durch einfache, logische und konsequente Handhabung.  Ich bin beeindruckt wie einfach und schnell so viele andere Probleme ebenfalls automatisch verschwinden, ich habe so viele andere positive Veränderungen beobachtet mit denen ich nicht gerechnet hatte und die ich mir im Traum nicht hätte vorstellen können (Schreckhaftigkeit hat drastisch abgenommen, sucht sogar auf der Wiese meine Gegenwart auf, entspanntes Reiten, Pflege des Pferd!
 es einfacher, etc.).


Jetzt üben wir noch weiter am Verladen und im Zentrum für anatomisch richtiges Reiten von Herr und Frau Schöneich in Bedburg-Hau wird Dalis Gesamtmuskulatur gestärkt werden und somit das Kissing Spines Problem so weit wie möglich behoben werden. Wenn diese Pläne auch noch klappen, dann ist Dali wirklich zu dem Pferd geworden, wie ich es mir nur wünschen könnte.

Danke an Kristin Zeller für ihre Professionalität und Geduld, an Anne Mathes, die mir Kristin empfohlen hat, an Guy Franziskus, der mich unterstützt und Reit-Ratschläge gegeben hat und Carole Goedert und Fränz Zipfel, die mir geholfen haben nicht aufzugeben.




 

Brief von Dali:

Liebe Kristin,



Auch ich wollte mich herzlichst bei dir bedanken, dass du meiner Besitzerin die Pferdesprache beigebracht hast. Ich verstehe jetzt endlich was sie meint und sie ist auch ruhiger und verständlicher geworden. Ich weiß jetzt genau was sie von mir will und kann mich auf sie verlassen. Ich spür mich jetzt viel sicherer und muss mich nicht mehr so aufregen und um mein Leben bangen. Sie strahlt jetzt eine Ruhe und Sicherheit aus, bei der ich mich gut spüre. Meine Muskeln sind nicht mehr so angespannt und das Reiten oder Spazieren macht mir mehr Spaß. Ich kann mir alles anschauen, darf mich auch mal fürchten aber sie bleibt dabei so ruhig und gelassen, dass ich mich gleich wieder entspannen und sicher fühlen kann. Ich habe jetzt auch viel mehr Lust nach dem Reiten wenn ich wieder auf der Wiese bin bei ihr zu bleiben und Leckerlis anzunehmen. Wenn ich sie kommen sehe freue ich mich schon auf unser Zusammensein. Ihre Reaktionen sind viel vorhersehbarer und ihr Puls ist niedriger als!
sonst. Ich weiß dass sie mich beschützt und dass sie mir nicht weh tun will. Sie würde mein Leben nicht sinnlos in Gefahr setzen.


Danke, Dali


 

Francoise & Dali

Luxemburg, November 2007