Anreiten - sanft aber konsequent

Als meine Stute „Savanna“ (Luxemburger Warmblut von Silvio II) im Jahre 2005 3-jährig wurde und sie mir auch vom Körperbau und der Psyche reif genug erschien einen Reiter tragen zu können, stellte sich für mich die Frage des Einreitens. Aufgrund schlechter Erfahrungen traute ich mich nicht diese delikate Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen. Für mich stand fest, dass eine weitere Person mit viel Erfahrung zur Hilfe gebeten werden sollte. Mit der Auswahl dieser Person tat ich mich allerdings schwer, da ich gewisse Ansprüche an diese und dessen Einreitmethode stellte.

Da ich meine Stute schon, seit sie 4 Monate alt war, besaß und mich seit dieser Zeit viel mit ihr beschäftigte, lag mir ein „korrektes“ Einreiten sehr am Herzen. Das Pferd sollte auf eine sanfte, aber konsequente Art und Weise wichtige Aufgaben lernen und diese auch fortan mit Begeisterung ausüben. Es war mir wichtig, dass nicht gegen das Pferd, sondern mit dem Pferd gearbeitet werden sollte.

Eines Tages erfuhr ich von einer Bekannten, dass sie ihre zwei Pferde von einer Frau, die ursprünglich aus Norddeutschland kam, mittlerweile aber hier in Luxemburg lebte, mit großem Erfolg einreiten ließ. Die Frau hieß Kristin Zeller und wendete beim Einreiten der Pferde die Methode von dem weltberühmten Monty Roberts an, die sie selbst bei dem Pferdeflüsterer in Amerika gelernt hatte. Von der Möglichkeit Kristin um Hilfe zu bitten, war ich sofort begeistert. Allerdings fragte ich mich ob jemand, der bei Monty Roberts selbst gelernt hatte, überhaupt an meinem Gaul interessiert wäre. Ich entschied mich dazu Kristin einfach einmal anzurufen. Tatsächlich reagierte diese sehr positiv und kam sich schon nach zwei Tagen mein Pferd anschauen. Die einzige Bedingung, die die Pferdeflüsterin stellte, war die Erstellung eines Roundpens mit 18 Metern Durchmesser und einer Höhe von mindestens 1,50 Meter.

So kam es, dass Ende März 2005 die Arbeit von Kristin und mir zusammen mit Savanna begann.

Kristin begann die ersten Male mit einem Join-up, anschließend wurde an der Doppellonge weitergearbeitet.

Schon das 4. Mal konnte ich mich über Savannas Rücken legen.

Das 5. Mal bin ich alleine (Kristin stand in der Mitte und ging zum Schluss nicht mehr neben Savanna) Schritt geritten und schon das 6. Mal durfte ich auf Savanna traben. Alles ging so schnell, so dass wir das 19. Mal schon einen Ausritt von fast 2 Stunden machen konnten. Während dieses kleinen Ausfluges erwies Savanna sich als sehr brav und motiviert.

Als Kristin ihr Pferd zu einem schnelleren Trab aufforderte, galoppierte Savanna eifrig hinterher und buckelte vor Übermut. Auch die weiteren Ausritte schienen ihr Spass gemacht zu haben.

In einer letzten Phase übten wir in der Halle noch konkreter das Angaloppieren, das „Vorwärts-Abwärts“Reiten, Ansätze von Schenkelweichen und das Traben über Stangen.

Mittlerweile ist der Sommer vorbei und mein Ziel, Savanna bis dahin alle wichtigen Aufgaben des Anreitens beizubringen, habe ich erreicht.

Während all dieser Zeit fühlte ich mich immer sicher auf meiner 3-jährigen Stute, weil ich ihr, aber auch Kristin hundertprozentig vertraute. Dieses Vertrauen bekam ich nur, weil ich wusste, dass nie etwas von Savanna und mir verlangt wurde, zudem wir noch nicht bereit waren. Gab es irgendwelche Unsicherheiten, ging Kristin lieber wieder einen Schritt zurück als es zu riskieren etwas an einem falschen Zeitpunkt zu tun.

Was ich ebenfalls als positiv empfand, war, dass ich all die Zeit selbst geritten bin. Nicht nur Savanna machte über all die Monate einen riesigen Lernprozess durch, sondern ich ebenfalls. Wir lernten zusammen voneinander und miteinander. Ich lernte sie besser kennen und sie mich. Gab es ein Problem, so musste ich selbst überlegen, um eine Lösung zu finden. Alle diese, für mich so wichtigen Erfahrungen, hätte ich nicht gemacht, wenn ich meine Stute von einem Bereiter hätte einreiten lassen.

Abschließend kann ich nur sagen, dass sich die Arbeit mit Kristin als ein voller Erfolg erwiesen hat.

Ich bereue keine Sekunde dieser Zeit, die mir sehr viel Spaß machte,  in der ich so viel über die Psyche der Pferde lernte wie nie zuvor und in der die Erfolgserlebnisse sich nur so anhäuften...

 

Man könnte sagen, Savanna und ich haben die „Grundschule des Pferdes“ mit Erfolg abgeschlossen und dies, dank einer ganz besonderen Lehrerin, der wir auf diesem Weg

 

                „Vielen, vielen Dank“

 

sagen möchten.

Savanna & Corinne 

10.Oktober 2005