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  SONSTIGES
Join-Up: ein wahnsinnig bewegendes Gefühl
21.04.2004
 
Kristin Zeller lernte das Pferdeflüstern von Monty Roberts
 
Fischerhude. (az). Für viele gilt der amerikanische Pferdeflüsterer Monty Roberts als der Fachmann schlechthin. Seine Methode der gewaltfreien Arbeit mit den geliebten Vierbeinern, von dem Cowboy während vieler Auftritte dargeboten, erstaunte die Reiter. Doch auch negative Stimmen werden immer wieder laut: Vielleicht ist er doch nur ein Scharlatan?

Was wirklich dahinter steckt weiß Kristin Zeller. Die Fischerhuderin besuchte im Februar einen vierwöchigen Kurs, der auf Roberts’ „Flag Is Up“-Farms in Kalifornieren stattfand. Auch sie war skeptisch: „Was ist wirklich dran?“. Im vergangenen Jahr hatte sie die Show des Pferdeflüsterers in Bremen besucht und sich danach eingehend mit dem Thema befasst.

Im Alter von sechs Jahren stieg die heute 36-Jährige erstmals in den Sattel, ritt mit 13 schon M-Springen und nahm an der deutschen Meisterschaft teil. Jetzt besitzt sie drei Pferde: Adam, ein 16-jähriges Springpferd, ihre Zuchtstute Lea und deren einjähriges Fohlen Shakira. „Eigentlich bin ich Unternehmensberaterin von Beruf“, erzählt sie. „Aber ich wollte mich noch einmal umorientieren.“ Da kam die Idee, das Pferdeflüstern zu erlernen. Wie Montys Schülerin Andrea Kutsch, die mittlerweile ihren eigenen Betrieb nahe Hamburg eröffnet hat.

Auch wenn Zeller noch nicht mit Roberts mithalten kann, hat sie in Amerika viel über das Wesen der Pferde gelernt. Das war in den 30 Jahren, in denen sie ritt, nie der Fall. „Reiter machen sich Gedanken über den richtigen Sitz, die richtige Haltung, das beste Training und die Fütterung. Aber nicht über die Hintergründe des Verhaltens ihres Pferdes“, hat sie festgestellt. Und sie bestätigt: „Monty Roberts’ Methoden kann jeder erlernen.“

An dem Kurs, den Zeller besuchte, nahmen neun weitere Personen teil – sie kamen aus Polen, Litauen und amerikanischen Staaten angereist. Morgens wurde Theorie unterrichtet, nachmittags kam die Praxis. Den Schülern wurde beigebracht, wie Join-Up und Desensibilisierung funktionieren - Übungen, mit denen das Vertrauen gewonnen und Angst vor „Gespenstern“ wie Luftballons oder Plastikplanen genommen werden kann. Als das Tier beim Join-Up folgte, sei das ein wahnsinnig bewegendes Gefühl gewesen, berichtet die Fischerhuderin.

Sie hatte das Glück, dem 68-jährigen Pferdeflüsterer höchstpersönlich über die Schulter blicken zu können. Zwei Wochen lang trainierte er einen jungen Mustang, der zuvor nie einen Menschen zu Gesicht bekommen hatte. „Er war so aggressiv und ängstlich, dass er wie wild auf ein paar Handschuhen herumtrampelte, als die heruntergefallen waren.“ Mit Monty als Lehrer akzeptierte das Wildtier binnen einer Woche einen Reiter.

Zurück in Deutschland probierte Zeller das Gesehene an ihren eigenen Pferden aus – und war erstaunt, wie gut sie die erlernte Körpersprache anwenden konnte. Sie erklärt: „Vom Grundsatz her will ein Pferd immer etwas lernen. Viele Reiter verlangen dann jedoch zu viel auf einmal.“ Deswegen müsse ohne Druck gearbeitet werden.

Im Bekanntenkreis half die 36-Jährige bereits aus, wenn es Probleme mit Pferden gab. Im Herbst will sie ihr Wissen noch erweitern und für einen sechswöchigen Fortgeschrittenenkurs nach Amerika fliegen. Eventuelle Fragen beantwortet Kristin Zeller unter Telefon 0176/70082240.