Wissenswertes rund um's PferdKristin Zeller: Der Pferdeflüsterer hautnah
Geschrieben vonHIPPOline am Dienstag, 07.Dezember.2004 - 10:47:02 CET
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Erkenntnisse aus einem Monty Roberts Training in Kalifornien

Nach 15 Stunden Flug und drei weiteren Stunden Autofahrt von Los Angeles in das Santa Ynes Valley gelang ich auf eine breite, von Pappeln eingerahmte Allee, die durch ein Paradies für Pferdefreunde führte. Beidseitig weitläufige Farmen mit weißen Zäunen. Links ein großes Eisentor zur Flag is Up Farms, dem Anwesen von Monty Roberts. Die Auffahrt, vorbei an Wiesen, Weiden und der Trainingsrennbahn, führte mich zu den Stallungen und dem Trainingszentrum, was ca. 100 Pferde beherbergt. Hierher kam ich für den 4-wöchigen Kurs, um alles über das Geheimnis des „Pferdeflüsterns“ zu lernen.

Wir erlebten hautnah, wie der große Meister mit Pferden umgeht, schauten ihm auf die Finger, „hinter den Kulissen“ und fernab von den Publikumsshows. Für unsere Gruppe hatte er ein spezielles Bonbon parat. Monty hatte einen rohen Mustang1 in Ausbildung mit dem Ziel, ihn an den Menschen und an den Reiter zu gewöhnen. Innerhalb von 12 Stunden (verteilt auf mehrere Tage) gelang es ihm mit seiner sanften Methode, aus diesem scheuen, wilden Tier ein Pferd zu machen, das sowohl Halfter als auch Sattel und Reiter akzeptierte. Normalerweise nimmt diese Prozedur mit konventionellen Methoden mehrere Wochen in Anspruch.

Die letzten Zweifel, ob sich der weite Weg gelohnt hatte wurden mir durch die nächste Erfahrung genommen. Atemlos beobachtete ich wie Monty ein Pferd an „gefährliche“ Stimuli, z.B. raschelnde Plastiktüten gewöhnt. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen. Anfänglich geriet das Pferd beim Anblick der an einem langen Stock befestigten Plastiktüten in Panik. Maximal 30 Minuten später reagierte es mit Gleichmut auf die auf seinen Rücken knisternden Tüten.

Nun war ich davon überzeugt. Hier konnte etwas Neues lernen, von dem ich trotz dreißig Jahren Erfahrungen mit Pferden und der klassischen Reitausbildung viel zu wenig wusste.

Unser Training bestand aus morgendlicher Theorie und nachmittäglicher Arbeit mit Pferden in der Longierhalle. Die uns zur Verfügung stehenden Pferde waren extra für den Kurs angeliefert. Sie waren Pferde unterschiedlichster Rassen und Alters, die entweder kaum Menschenkontakt hatten oder aus Misshandlungen gerettet wurden2. Mein erster Versuch, ein Join-Up durchzuführen, verlief recht kläglich. Dabei hatte ich alle Bücher von Montys Methoden gelesen und mir war die Vorgehensweise ziemlich klar. In der Praxis jedoch erwies es sich weitaus schwerer als vermutet, das freilaufende Pferd lediglich mit Blickkontakt und Körpersprache zum Traben oder Galoppieren zu motivieren. Außer der Longe standen uns nämlich keine weiteren Hilfsmittel zur Verfügung. Ich erkannte, dass die Einladung zum Join-Up und Follow-Up sehr dosierte und korrekt getimte Signale erfordert. Diese zu beherrschen, ist die hohe Schule des Pferdeflüsterns Diese gesteigerte Fähigkeit zur Kommunikation mit Pferden bereicherte nicht nur mich. Während eines Verladetrainings merkte ich, dass mein Pferd den Wunsch verspürte mir zu folgen, um bei mir zu sein. Es kaute und leckte (eine Geste des Sozialkontakts und der Unterordnung), traute sich aber noch nicht, mit mir den Pferdeanhänger zu betreten. Nach einer Weile gelang es mir, den Wallach so zu motivieren, dass er seine innere Blockade überwand. Ab diesem Moment folgte er mir wie ein Hund in den Anhänger. Ich spürte förmlich, wie stolz dieses Pferd war, seine Angst überwunden zu haben. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl, seine Augen hatten ihren Ausdruck des Mistrauens verloren, nun strahlten sie glücklich.

In den Jahren meines Umgangs mit Pferden habe ich in der klassischen Reitlehre und auf diversen Lehrgängen größtenteils folgendes gelernt: Details über Exterieur, Grundgangarten, Sitz, Zügelführung, Fütterung, Haltung, Hufbeschlag, Training, etc. Heute mutet mich das eher an wie ein Handbuch zur Bedienung und Instandhaltung des Sportgeräts Pferd. Nach Ansätzen, die einem das Wesen Pferd und die Hintergründe des pferdischen Verhaltens näher bringen, sucht man vergeblich. Offen bleiben Fragen wie z.B.: Was bringt ein Pferd dazu zu scheuen? Warum hat es vor einem identischen Sprung in neuer Umgebung plötzlich Angst? Was wertschätzt ein Pferd? Wodurch wird ein Pferd motiviert? Warum unterstellen wir Pferden oft, sie seien störrisch, wenn sie auf unsere Hilfengebung nicht nach unseren Vorstellungen reagieren? Während des Kurses habe ich gelernt, wie Pferde wahrnehmen. Für das Pferd als Fluchttier und Beute von Raubkatzen, wie in Kalifornien z.B. Berglöwen, ist es überlebenswichtig schnell zwischen gefährlich und ungefährlich zu differenzieren. Sie wären ansonsten ständig auf der Flucht und hätten bei wirklichen Gefahren kaum Reserven. Die primären Ziele eines Pferdes sind, zu überleben und seinen Bestand zu sichern. Auf den Herdenverband angewiesen, folgt es bereitwillig den Gesetzmäßigkeiten der Herde, welche auf Erfahrung und Rangfolge basieren. Ein rangniedrigeres Tier stellt selten die Entscheidungen ranghöherer in Frage. Es vertraut und folgt. Genau hier geht Monty auf das natürliche Lernverhalten des Pferdes ein. Er vermittelt durch seine Körpersprache in dem Pferd den Wunsch, sich ihm, als dem ranghöheren, bereitwillig anzuschließen. Ist diese Rollenverteilung mittels Join-Up und Follow-Up als Grundlage der Vertrauensbildung etabliert, kann mit dem Pferd viel konstruktiver gearbeitet und eine Partnerschaft aufgebaut werden.

Es gilt umzudenken, die Welt durch die Brille und mit den Augen des Pferds zu betrachten. Verhaltensweisen, wie Scheuen, Beißen, Bocken werden verständlich und transparent. Man kann ihnen gewaltfrei auf eine einfühlsame Weise begegnen. Die Ursache klarer sehen und mit Feingefühl darauf eingehen. Nicht die Peitsche löst den Widerstand eines Pferdes auf, sondern der richtige Umgang mit seiner Seele. Auch Pferde brauchen einen Coach, der ihnen hilft, vom Menschen verstanden zu werden und Pferdehalter benötigen einen Coach, der ihnen hilft, ihre Pferde zu verstehen. Jeder kann „Pferdeflüstern“, wenn er die Sprache der Pferde beherrscht. Das habe ich von Monty gelernt.

Gerne unterstütze ich Sie und Ihr(e) Pferd(e) in der Hohen Schule des „Pferdeflüsterns“.

Kristin Zeller (Mobil +352 691 247199 oder +49 176 70082240) Email: info@equistin.com

Kristin Zeller, Unternehmensberaterin, ist im Begriff ihr Leben zu ändern um sich ganz der gewaltfreien Ausbildung und Korrektur von Pferden zu widmen.

Pferdeerfahrung:

30 Jahre Umgang und Ausbildung von Pferden
Graduate of Monty Roberts' Methods of Horsemanship (Einj. Einführungskurs)
Teilnahme am einjährigen Fortgeschrittenen Kurs Monty Roberts' Methods of Horsemanship
S-Springreiterin
Trainer B Lizenz
Teilnahme an Deutschen Meisterschaften der Springreiter
Silbernes Reitabzeichen


 


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